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Greifbarer, beinahe intim erscheinen Depeche Mode im neuen Jahrtausend, und wenn man in ihren Songs heute düstere Romantik suchen wollte, muß man erst durch das Licht der Musik in Martin Gores Texte blicken. Es scheint, als würde erst hier das finstere Kapitel der mittleren Neunziger wirklich aufgearbeitet: Räume ohne Licht und Menschlichkeit, „Zombie Rooms“ im Text von „Dead Of Night“, die der Sänger jahrelang mit seelenlosen, unbekannten Leuten teilte, wo entartete Parties stattfanden und sich in Dekadenz gesuhlt wurde.
Gahan singt bei „The Sweetest Condition“ und „Dream On“ von der süßen Versuchung, die er erst gesucht hatte, aber von der er später nur noch heimgesucht wurde. Diese Beziehung wurde von Anfang an nicht von Liebe, sondern von Verlangen dominiert. „When The Body Speaks“ erzählt von der wiedergewonnenen Einigkeit von Körper und Geist, der Fähigkeit, zu fühlen und gefühlt zu werden. Die Texte in ihrer Gesamtheit handeln von Lust, Verlust und letzten Endes dann doch wieder ausschließlich von der Liebe in allen Facetten und Pervertierungen. Auch wenn es zunächst so scheint, als schriebe Martin Gore in erster Linie aus der Sicht des Sängers, ist dies auch auf „Exciter“ nicht der Fall.

Gahan erklärt: „Die meisten Erfahrungen haben wir zusammen gemacht. Schließlich haben wir in den vergangenen 20 Jahren sehr viel Zeit miteinander verbracht, das bleibt nicht ohne Folgen.“ Warum Gore nicht schon eher solch deutliche Worte suchte, begründet Gahan so: „Martin wußte, daß es nur wenig Sinn machen würde, mich zum damaligen Zeitpunkt damit zu konfrontieren. Es war alles noch zu frisch. Er hat gewartet, bis ich mich mit den Texten identifizieren und nachvollziehen kann, wovon sie handeln und welche Gefühle darin stecken. Eben weil ich sie selbst erlebt habe.“
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