AB 03.11.2006 IM Zeitschriftenhandel erhÄltlich :




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EVANESCENCE

Vorwort (Fortsetzung)

Schon in dem Moment, in dem zum ersten Mal träumerisch das Piano plätscherte, in dem jene kraftvolle, epische, dennoch gepeinigte Frauenstimme die Worte formte: „How can you see into my eyes like open doors?“, kontrastiert von knüppelnden Gitarrenriffs, schon in diesem Moment also war den meisten klar: Hier waren Stars geboren. Selten hat eine Band mit einem einzigen Song so schnell und gewaltig überzeugt wie Evanescence. Und wer die bis dahin völlig unbekannte, schwarzhaarige Amy Lee im Video zu „Bring Me To Life“ schlaftrunken über die Simse eines düsteren Hochhauses wandeln sah, hatte gleich einen Eindruck von Verletzlichkeit, Stärke und Schönheit, die den Sound jener Band in den nächsten Jahren bestimmen sollten. Evanescence, ein einmaliges Rock-Phänomen, für die USA sogar etwas völlig Neues. Denn während in Europa bereits Bands wie Nightwish und Within Temptation düsteren Metal mit elfenhaftem Frauengesang zusammengeschmiedet hatten, kannte man diese musikalische Legierung jenseits der europäischen Grenzen noch gar nicht.

Dass Evanescence nicht einfach eine Marktlücke füllten, sondern Songs von außergewöhnlicher Qualität geschrieben hatten, offenbarte auch ihr Erfolg in Europa, wo man schließlich Ähnliches schon gewohnt war. Die Intensität, die den Gesang von Evanescence bestimmte, die Klarheit der Arrangements, waren etwas, dem man sich schwerlich entziehen konnte. Statt also zu verhallen, breitete sich der Sound von Evanescence im Laufe des Jahres 2003 langsam über den gesamten Globus aus, erfasste nicht nur Europa, sondern auch Japan und Australien.

Während die Musikindustrie allseits ächzte und verzweifelt nach neuen Trends Ausschau hielt, verkauften Evanescence ihr Debütalbum „Fallen“ bis zum heutigen Tag 14 Millionen Mal. Eine schockierend hohe Zahl, wenn man bedenkt, wie wenige Tonträger heute ausreichen, um halbwegs anständige Chartpositionen zu erreichen. Und „Fallen“ war wohlgemerkt ein Rock-Album, das bei aller Power und songschreiberischer Qualität keine geheimen Zutaten enthielt, sondern einfach gut gemacht war.
Während es vielen Außenstehenden anfangs so erschien, als sei diese Band urplötzlich und aus dem Nichts aufgetaucht, offenbarte das Songschreiber-Duo Amy Lee und Ben Moody bald, dass ihm der Erfolg keineswegs in den Schoß gefallen war. Denn einerseits hatten die beiden bereits acht Jahre zusammen Songs geschrieben, Demos veröffentlicht und beharrlich ihre musikalische Vision verfolgt, andererseits hatte das bis zum Jahr 2000 bis auf einen winzigen Kreis niemand wahrgenommen, denn die Band stammt aus Little Rock, Arkansas, wo man noch sehr lange spielen kann, ohne dass es jemand bemerkt. In den Hinterzimmern von Bars, in kleinen Clubs, teils vor einer Hand voll Fans, anfangs noch mit angeheuerten Gastmusikern, denn ursprünglich waren die beiden ja nur ein Duo, das sich scheute, andere mitarbeiten zu lassen.

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